Green Events

Die Veranstaltungsbranche arbeitet seit einiger Zeit vermehrt an einem "grünen Image". Nachhaltigkeit, Kohlendioxidabdruck und der Kampf gegen Verschwendung sind zu einem selbstverständlichen Thema der Unternehmenskommunikation geworden – vor allem aber nicht nur in der Hotellerie.

Die Veranstaltungsbranche arbeitet seit einiger Zeit vermehrt an einem "grünen Image". Warum der Eventbranche die Umorientierung schwer fällt, erfahren Sie in diesem Magazinbeitrag.

Doch trotz aller Werbung für umweltbewußte Veranstaltungen steht die Branche vor mehreren grundsätzlichen Problemen mit den aktuellen Wertewandel umzugehen.

Erstens sind Veranstaltungen häufig mit langen Anreisen verbunden. Kein Kongreß, kein Overbroad Event ohne daß die überwiegende Zahl der Teilnehmer mit dem Flugzeug anreisen muß. Auch nationale Veranstaltungen verursachen Flugreisen, PKW-Kilometer und Bustransfers.

Zweitens sind Veranstaltungskunden (noch) nicht bereit, einen Mehrpreis für klimabewußte Veranstaltungen zu bezahlen. Das ist deutlich erkennbar, wenn der Klimabeitrag der Dienstleister als kostenfreie Selbstverpflichtung beworben wird. Es mag im direkten Vergleich zwischen zwei gleichwertigen Dienstleistern ein ausschlagendes Kriterium sein, aber explizite, zusätzliche Kosten wagt die Branche den Kunden nicht zuzumuten.

Drittens stehen Verbraucherschutz und Hygiene-Vorschriften oft einer umweltbewußten Resourcennutzung im Weg und verhindern diese. Hierzu ein Beispiel: Bei einer Veranstaltung für die Lebensmittelbranche wurde eine großzügige Gemüse- und Obst-Dekoration gestaltet. Riesige Kürbisse, Zuccini, Melonen etc. kamen dabei zum Einsatz. Allerdings war die Dekoration für die Teilnehmer der Veranstaltung frei zugänglich. Als nach der Veranstaltung die von mir kontaktierte Hamburger Tafel eintraf, weigerte sich diese, das Gemüse und das Obst mitzunehmen und für die Bedürftigen einzusetzen. Das Argument war, daß sie aus Hygieneschutz das nicht dürfen, weil das Material "am Gast" gewesen war. Der Hinweis, daß man in einen Kürbis aber auch in eine ganze Melone nicht einfach hineinbeißt, sondern den Kürbis kocht und die Melone schält, überzeugte nicht. Und sie hatten Recht! Alles was einmal in die Reichweite von Gästen gekommen ist, muß in Deutschland weggeworfen werden. Diese undifferenzierten Regelungen des Gesetzgebers sorgen für einen unglaublichen Müllberg einwandfreier Produkte in der Eventbranche.

Viertens: Wo nicht der Gesetzgeber für Verschwendung verantwortlich ist, ist es die Branche oft genug durch selbst gesetzte Qualitätsstandards. In einem 5-Sterne Hotel werden die Handtücher auch dann ausgetauscht, wenn sie nicht auf den Boden gelegt wurden. Beim Frühstück müssen sie um ihre Kaffeetasse regelrecht kämpfen. Sonst bekommen sie bei jeder Füllung eine neue Tasse. Diese Beispiele ließen sich lange fortsetzen. Das Servicepersonal ist angehalten so zu agieren und wer sich dagegen versucht zu wehren, ist eher ein Störenfried, der die Abläufe durcheinander bringt, als ein umweltbewußter Gast.

Zusammenfassung

Das Event als besondere Veranstaltung lebt zu einem nicht geringen Teil von seinem verschwenderischen Charakter. Sprichwörtlich soll "der Champagner in Strömen fließen". Das Event stellt den Gast und sein außergewöhnliches Erlebnis naturgemäß in den Mittelpunkt. Der Eventbranche fällt deshalb die Umorientierung auf "grüne", umweltbewußte und klimafreundliche Elemente besonders schwer. Zuende gedacht rührt eine konsequent klimabewußte Haltung sogar an der Existenz der Eventbranche.

Autor des Magazinbeitrages

Dominik Schunk - Dozent und Tutor des DeLSt

Dominik Schunk

  • Magister Artium
  • Selbstständiger Eventmanager
  • Dozent und Tutor des DeLSt

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